Marketingstrategien entschlüsseln – gar nicht so einfach

Oder: die Inbox einfach mal aufräumen…

Seit einigen Monaten mache ich mir einen Spaß daraus, meine Inbox aufzuräumen und zwar in der Form, das ich mich bei jedem eingehenden Newsletter frage, worin der echte Mehrwert und nützliche Inhalt für mich darin liegt. Könnt ihr euch vorstellen, wie wenig Emails durch diesen persönlichen Filter kommen und wie viel weniger Emails ihr jeden Tag empfangt?

Probiert es mal aus und tragt euch ganz konsequent aus allen Newslettern aus, die euch keinen unmittelbaren Mehrwert bieten. Es macht Freude. 😉

Gerade in den letzten 4 Wochen habe ich mir dann einen separaten Emailordner eingerichtet, um eben exakt diese Emails zu analysieren. Denn ich wollte genauer wissen, womit Unternehmen, Einzelkämpfer und Experten ihre Zeit verwenden – in meinen Augen „verschwenden“ – bzw. was sie alles in den Markt hinausblasen. Erschreckend, was dabei rauskommt.

In meinen Beratungen zu möglichen Marketingstrategien spielt immer auch die sogenannte Regelkommunikation eine wichtige Rolle, denn sie ermöglicht dem Anbieter, einen wie auch immer gedachten Draht zum Kunden und Interessenten zu halten. Doch jenes, was ich nun rausgefunden habe, ist fernab von allem was erträglich und für den Anbieter nützlich ist. Das Schlimme daran ist, die Anbieter merken oft nicht, dass sie sich mit dieser Art „Email-Müll“ den zukünftigen Kunden mehr vergraulen als ihn an das Produkt heran führen.

Marketingstrategien bestehen aus vielen Elementen, mal ist das Thema Newsletter/Email-Marketing mehr, mal ist es weniger stark ausgeprägt. Doch ganz entscheidend ist die Frage der Zielgruppe und wie afin sie für das Medium Email ist. Noch weit wichtiger in allen Fragen der Strategie ist die Klammer um alles, die Botschaft und die zum Teil nicht kommunizierten/kommunizierbaren Markenkernwerte.

Schau wir Stichpunkt artig auf die Ergebnisse:

Ich habe erstmal meinen Sparfilter die letzten 4 Wochen wieder ganz weit geöffnet bzw. die Hürde, in meine Inbox zu gelangen, sehr niedrig angesetzt. Ich vermute, das bei einer leichten Erhöhung dieser Hürde gleich 80-90% nicht den Weg in meine Inbox gefunden hätten. Macht es bei diesen Zahlen wirklich Sinn, sich die Arbeit zu machen, solche Emails zu versenden, liebe Anbieter?

Ein Großteil der Emails besteht aus reinen Werbeangeboten. Es sind Hotels bei denen ich mich mal nach einem Angebot erkundigt hatte, es sind Trainer oder Seminaranbieter, die mir mal aufgefallen sind und ich mich für deren Inhalte interessiert habe. Die meisten Anbieter haben einen sehr werbelastigen Anteil in ihrer Kommunikation. Ich lese nur von Sonderangeboten, von neuen Trainingskonzepten, von innovativen Modellen, wie ich mehr Umsatz machen kann, etc.

Die allermeisten beschreiben einfach nur ihre Produkte, ihre Dienstleistungen und zwar so, dass die meisten mit irgendwelchen Superlativen geschmückt sind. Mit leider viel zu wenigen Worten wird beschrieben, worin für mich als Kunde oder Interessent der eigentliche Nutzen liegt. Kein Wort von einem Vorteil, den ich leicht verständlich in mein Leben integrieren kann. Wenn es eine Aufzählung von Nutzen gibt, dann sind die oft so allgemein gehalten, dass sie schon wieder zu breit gestreut sind und niemanden wirklich erreichen.

Es gibt einige wenige tolle Emails, die mir gar nicht wie ein Newsletter vorkommen, jedoch in ähnlicher Aufmachung und Regelmäßigkeit in meiner Inbox landen. Was machen diese Anbieter anders bzw. was vermeiden sie komplett?

-Sie erzählen mir eine Geschichte, die mich näher an das Produkt heranführt.

-Sie bieten mir tiefergehende Informationen über ihr Angebot, ihr Unternehmen, …

-Sie halten ihre Inhalte auf einem Niveau von dem ich sagen kann „ja, das interessiert mich“

-Sie haben einen Schreibstil, der nicht in erster Linie werbelästig ist und nicht mit Superlativen um sich schmeißt.

-Sie halten sich kurz und fassen das Wesentliche zusammen. Der eine oder andere bietet mir sogar vorab Stichpunkte dessen was ich im weiterführenden Text lesen werde, wenn ich das will.

-Sie haben eine angenehme Frequenz/Regelmäßigkeit, in der sie ihre Kommunikation versenden. Dieser Punkt ist extrem wichtig, denn klar gibt es Anbieter bei denen eine höhere Frequenz Sinn macht. Jedoch achten Sie bitte darauf, dass jeder Newsletter einen Mehrwert für den Leser hat und nicht „an den Haaren herbeigezogen“ rüberkommt.

-Sie gestalten ihre Newsletterdesigns ansprechend. Ich kann sofort erkennen, dass der Newsletter von ihnen stammt und sortiere ihn insgeheim als „lesenswert“ ein.

-Sie haben eine zentrale Botschaft in ihren Kommunikationen.

-Sie festigen mit jeder Email das Markengefühl, das der Kunde hat oder aufbauen soll.

Es gibt zahlreiche weitere Punkte, die mir aufgefallen sind in meiner Analyse. Daraus entstanden ist eine Art Schema, ein Modell, welches es Anbietern erlaubt, den „richtigen Ton“ zu treffen und diese Kommunikation so zu gestalten, dass die Lesen nicht gleich den Abmelden-Knopf in der Email suchen.

Was hat das alles nun mit dem Thema Marketingstrategien zu tun? Ganz einfach. Anhand der Art der Newsletter von Unternehmen, lässt sich sehr gut analysieren, ob eine Strategie dahinter steckt oder nicht. Besser ist es, wenn eine Strategie dahintersteckt. Weniger gut ist, wenn einfach drauflos gepostet, gemailt und getrasht wird. Denn: eins ist doch klar. Es muss sich niemand wundern, wenn Öffnungsraten und Klickraten permanent sinken…

„Sometimes marketers ruin everything“ (Gary V.)

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